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Archiv der Einträge: Mai, 2012
  • LFT 2012 in Nürnberg - Workshopbericht 3 von Schatzi

    The Big Sin – Die Lust zum Sündigen, Mary Daly und ihr Werk
    Referentin/Mit-Autorin: Eveline Ratzel

    Zur Person von Mary Daly:

    geboren 1928 in den USA
    gestorben 2010
    Theologin, Philosophin, Autorin, Radikalfeministin
    Vordenkerin der Frauenbewegung der 60-er und 70-er Jahre
    Hauptwerke: „Gyn/Ökologie“, „Reine Lust“

    Ihre Themen:
    Patriarchale Unterdrückung von Frauen
    Radikalfeministische Befreiung von Frauen
    Abschaffung des Patriarchats (durch Frauen ?)
    Göttin statt Vatergott

    Beispiel für Mary Dalys Radikalität:
    Sie befürwortet die Reduzierung von Männern auf 10% der menschlichen Rasse in einem evolutionären Prozess.

    Zum Workshop:

    Anlässlich des Todes von Mary Daly im Jan. 2010 wurde die Referentin Eveline Ratzel gebeten, Ihre Magistra über Mary Daly aus dem Jahr 1987 in Buchform zu veröffentlichen. Daraus wurde das neu erschienene Buch „The Big Sin – Die Lust am Sündigen, Mary Daly und ihr Werk“, in dem auch noch andere Freundinnen, Weggefährtinnen, Schülerinnen und andere Wissenschaftlerinnen zu Wort kommen.

    In diesem Workshop wurden u.a. einige von Mary Dalys Thesen vorgestellt und auf ihre Aktualität überprüft.

    Bereits 1978, lange bevor diese Themen öffentlich diskutiert wurden, prangerte Mary Daly in „Gyn/Ökologie“ großen Gräueltaten des Patriarchats an:
    - die Witwenverbrennung in Indien
    - die Gentechnologie in den USA
    - das Füßebinden in China
    - die weibliche Genitalverstümmlung in Teilen Afrikas
    Themen, die heute noch genau so aktuell sind wie vor über 30 Jahren.
    Vielleicht mit Ausnahme des Füßebindens in China – „ersatzweise“ wird heute in China Frauenraub (wegen Männerüberschuss), verursacht durch pränatale Geschlechtsselektion betrieben.

    Die Referentin erzählte von einem einwöchigen Workshop in der Schweiz in den 80-er Jahren, an dem sie als eine Assistentin von Mary Daly teilnahm. Aus diesem Workshop hatte sie ein Band, das sie uns auf dem Kassettenrekorder vorspielte. Mary Daly referierte – wortgewaltig, leidenschaftlich, nachdrücklich, unbeirrbar, hemmungslos radikal. Auszug: „Mich ekelt, wenn sich Frauen nicht ekeln“.

    Die Schwierigkeit vieler Frauen, die sich mit Mary Daly beschäftigt haben, ist nicht unbedingt, das von ihr geäußerte intellektuell zu verstehen sondern eher, ihre Denkstrukturen, Wortspiele und Herleitungen zu „begreifen“. Anfang der 90-er habe ich ihr Buch „Gyn/Ökologie“ gelesen bzw. mich durch gequält. Ich könnte nicht wiedergeben, was drin steht, aber die Erinnerung daran löst in mir eine Mischung aus grenzenloser Bewunderung, bleierne Kopfschwere, verhaltenes Stöhnen und gelegentliches „Och, muss das sein…“ aus.

    Das LFT-Auffrischungs-Workshop hat auch nach 20 Jahren noch genau dieselben Gefühle und Symptome beim mir verursacht. Ich war danach mental völlig erschöpft. Aber es war gut und „erfrischend“ endlich mal wieder über radikale Positionen zu sprechen – heute, in dieser Zeit, in der Frauen/Lesben-Themen doch oft recht „weichgespült“ betrachtet werden.

    Links
    Mary Daly
    Gyn/Ökologie
    Eveline Ratzel
    The Big Sin

  • LFT 2012 in Nürnberg - Workshopbericht 2 von Schatzi

    Das Nibelungenlied – eine feministische Streitschrift
    Referentin: Samirah

    Das berühmte Nibelungenlied, der Heldenepos um Siegfried und den Drachen, wurde - das ist bekannt - ziemlich genau um 1200 geschrieben – aber von wem nur?
    Für die AutorInnenschaft gibt es auch nach jahrzehntelanger wissenschaftlicher Suche keine Nachweise.

    Eine Wissenschaftlerin namens Berta Lösel-Wieland-Engelmann hat 1980 einen Aufsatz mit dem Titel Verdanken wir das Nibelungenlied einer Neuenburger Nonne? verfasst. Dieser Aufsatz wurde auch in Luise Puschs Buch Inspektion der Herrenkultur veröffentlicht.
    Eine tollkühne Idee – oder doch nicht ?

    Hier ein paar Fakten:

    Objektiv gesehen, ist Krimhild die Hauptfigur des Werkes. Sie ist Eigentümerin des Nibelungenschatzes, um den sie später betrogen wird. Krimhild war ihren 3 Brüdern (den Königen) völlig gleichgestellt.

    Brunhild wird als Amazone dargestellt, deren Schild von 12 Männern getragen werden muss, das sie aber mit einer Hand halten kann. Auch ging sie zunächst mit ihrem Gatten Gunter so rabiat um, wie es viele Frauen zu dieser Zeit sicher gerne mal getan hätten.

    Siegfried ist der Schönling, den alle wollen und der durch mehr oder weniger glückliche Umstände den Drachen besiegt.

    Männliche Tätigkeiten wie Mit-Waffen-hantieren, kämpfen, Kriegshandwerk, Schiffsbau- und führung u.ä. wird nur in wenigen Sätzen und dürftigen Worten beschrieben – obwohl das Nibelungenlied doch ein Heldenepos sein soll und vor solchen Schilderungen nur so strotzen müsste.

    Weibliche Tätigkeiten fanden in diesen gesellschaftlichen Kreisen und zu dieser Zeit fast ausschließlich in Kemenaten (den Frauengemächern) statt. Nur der Burgherr und einige wenige andere Männer der Familie hatten überhaupt Zutritt zu den Kemenaten.
    Im Text des Nibelungenliedes werden jedoch weibliche Tätigkeiten (Kleider anfertigen, Ankleiden etc.) sehr ausführlich, wort- und detailreich geschildert – so, wie es nur ein Mensch beschreiben könnte, der schon einmal längere Zeit in einer Kemenate war (z.B. eine Frau).

    Das Nibelungenlied wurde durch fahrende Sänger und Dichter im Land verbreitet. Diese mochten das Lied nicht gerne vortragen. Es war ihnen wohl unsympathisch. Aber das Publikum war davon begeistert und wollte es immer wieder hören. Und wer war wohl mit hoher Wahrscheinlichkeit das Publikum?
    FRAUEN, denn die Männer waren ja meist auf Kriegszug und gar nicht anwesend. Sänger und Dichter dienten überwiegend der Unterhaltung von Frauen.

    Es gibt einen 3. Teil des Nibelungenliedes: Die Klage. Dieser 3. Teil wurde nie ins Hochdeutsche übersetzt, da er vermeintlich literarisch minderwertig sein soll. In diesem 3. Teil wollte die Urheberin / der Urheber des Textes einer missbräuchlichen Interpretation der beiden ersten Teile vorbeugen und hat entsprechende Erläuterungen geschrieben.

    Es gibt vom Nibelungenlied (Teil 1 + 2) drei Versionen:
    C ist die älteste Abschrift und die feministischste
    A + B sind jüngere Abschriften, in denen die heute feministisch zu nennenden Textstellen modifiziert oder gestrichen wurden.

    Alles in Allem kann frau bei feministischer Lesart zu dem Schluss kommen, dass das Nibelungenlied vom Kampf um Frauenrechte erzählt. Wer hätte das gedacht?

  • LFT 2012 in Nürnberg - Workshopbericht 1 von Schatzi

    Der Tod gehört zum Leben – doch wenn er da ist, was dann?
    Referentin: Katharina M. aus Bremen

    Die Referentin Katharina hat vor 6 Jahren ihre Liebste durch einen Verkehrsunfall verloren. Sie fuhr auf dem Fahrrad und wurde mehrmals von einem LKW überfahren.

    Katharina schilderte alle wesentlichen Trauerphasen von dem Moment, als sie vom Tod der Liebsten erfuhr bis heute. Gefühle von Nicht-Wahrhaben-Wollen über Wut, Apathie und Schuld bis hin zu einem leisen Gefühl von Ich will wieder leben und glücklich sein. Sie erzählte, was sie brauchte, was ihr gut tat, wie sich die Menschen in ihrem Umfeld verhielten.

    Seit mehreren Jahren engagiert sich die Referentin in der lesbischen Trauergruppe Trulla in Bremen und hält Vorträge zu diesem Thema in vielen Städten.

    Die Teilnehmerinnen der Veranstaltung waren sehr unterschiedlich motiviert:

    Eine Wirtschaftskriminalistin, die ehrenamtlich im administrativen Bereich eines Pflegedienstes arbeitet und sich endlich mit dem Thema auseinandersetzen möchte mit dem ihre pflegenden Kolleginnen täglich konfrontiert sind.

    Eine Frau, die mit 13 Jahren ihren Vater und mit 35 ihre Mutter verloren hat und von der Einsamkeit als Jugendliche berichtete - wenn ein Elternteil weg und der andere Elternteil monatelang nicht ansprechbar ist, wenn kein anderes Kind im Umfeld diese Erfahrung gemacht hat und alle trösten wollen, aber niemand wirklich zuhört.

    Eine Frau, die selbst in der Pflege tätig ist und zunächst ihre Liebste in einem langen Kampf an Krebs und zwei Jahre später ihre schwerbehinderte Tochter verloren hat.

    Eine junge Frau, die bereits mehrere Suizidversuche hinter sich hat.

    Eine Hebamme, die z.Zt. ihre Doktorarbeit über Frauen schreibt, die wissen, dass ihr Kind noch vor der Geburt oder sehr bald danach sterben wird.

    Eine junge Frau, deren Schwester sich nach schweren Depressionen selbst getötet hat.

    Alle bestätigten, dass frau in einer solch schweren Trauersituation immer nur von einem Moment zum anderen gehen kann. Und welche Menschen begleiten, ist oft eine Überraschung.
    Menschen, von denen frau erwarten würde, dass sie eine Stütze sind, schaffen es nicht, eine zu sein.
    Und Menschen, denen es frau gar nicht zugetraut hätte, werden ein wichtiger Beistand.

    Die Frage der einen jungen Frau Wo finde ich die richtigen Menschen, die mir beistehen? ist somit nicht wirklich zu beantworten. Die Referentin meinte, diese Menschen werden auftauchen und einfach da sein.
    Sie werden Essen kochen, Fenster putzen, Einkaufen gehen. Es seien oft ganz banale Alltagskleinigkeiten, die mehr helfen, als große Worte.

    Alles in Allem eine sehr beeindruckende Veranstaltung.

  • LFT 2012 in Nürnberg, 25.-28. Mai, Montag

    Und schon sind wir wieder beim letzten Tag des LFTs angelangt.
    Montag bedeutet Abschlußplenum und Abschlußplenum bedeutet Beschlüsse und Beschlüsse bedeuten heiße und heftige Diskussionen...

    Normalerweise.

    Aber was ist schon normal???

    Dieses LFT jedenfalls nicht.

    Moderiert wurde das Abschlußplenum, wie bereits seit sieben Jahren, von Kathrin. Und sie machte es auch in diesem Jahr wieder richtig gut. Sie strukturiert das Plenum, sie treibt an, wenn Diskussionen ausarten, sie bringt Dinge auf den Punkt, sie ruft die Frauen dazu auf, ihre Meinung zu äußern, etc. pp.
    Nur, irgendwie war dieses Jahr alles etwas anders.

    Natürlich gab es auch diesmal Lob und Kritik für die Orga-Frauen. Letzeres hielt sich allerdings in Grenzen. Es gab zum Beispiel wie jedes Jahr Beschwerden über's Essen - zu unöko, zu teuer, zu frag mich nicht, was sonst noch. Es gab Lob für's Essen: Bratwürste auf dem LFT - Ihr seid super! Es gab Lob der Essensverkäuferinnen an die Besucherinnen: Ihr wart tolle Esserinnen!

    Ja, doch, einige fanden auch die Begrenzung der Teilnehmerinnenzahl nicht in Ordnung. Eine Begrenzung widerspreche dem Geist des LFTs, offen für alle zu sein (wobei ich mir die Frage stelle, ob es eine sooo schwere Bürde ist, sich rechtzeitig für den Besuch des LFTs zu entscheiden. Dass eine reine Anmeldung über's Internet eine Diskriminierung aller Lesben, die sich dafür entscheiden, ohne Internetanschluß zu leben, ist, dem stimme ich natürlich zu. Es sollte schon möglich sein, sich auch telefonisch oder per Post anzumelden).

    Doch selbst dieses Thema führte nicht zu einer heftigen Diskussion und es wurde auch kein Antrag gestellt, eine Teilnehmerinnenbegrenzung seitens der Orga-Frauen zu verbieten.

    Einig waren sich die Anwesenden darüber, dass den Lesbengruppen in Ungarn und Russland Solidaritätserklärungen geschickt werden sollen. Darüber wurde gar nicht erst abgestimmt, das ging so durch (wäre ja wohl auch noch schöner!)

    Anschließend wurden noch mal die Nürnbergerinnen euphorisch beklatscht und bejubelt und die Münchnerinnen enthusiatisch begrüßt. Das Motto des nächsten LFT lautet: LFT 2.0 13 Zeitlos lesbisch - wie lebst Du?
    Die Münchnerinnen haben auch eine Seite bei Facebook: hier

    Ach ja, dann gab es ja noch ein weiteres Thema:
    LFT 2014.

    Als Kathrin die Frage in den Raum warf:
    Wo fahren wir nächstes Jahr hin?
    Schrien alle:
    München!
    Und wo fahren wir übernächstes Jahr hin?
    schrie doch tatsächlich eine:
    Berlin!

    Leider stellte sich das Letztere als Scherz heraus.
    Und auch die Bedenkzeit, die Kathrin und Gwendolin mit einem herzzereissenden Vortrag des Stückes Romina und Julia überbrückten, führte leider nicht dazu, dass sich Lesben für 2014 meldeten.
    Weder Berlin, noch Saarbrücken, noch das Ruhrgebiet oder gar Mainz oder Kassel gaben einen Pieps von sich.

    So müssen wir also weiter im Dunkeln harren der Dinge, die da kommen oder wie es in der neuen LFT-Hymne heißt:

    Und immer wieder gibt es einen LFT
    ah ha ha ha,
    und wieder strahlt die Stadt im Lesbenlicht
    ah ha ha ha,
    und immer wieder gibt es einen LFT
    ah ha ha ha,
    denn Heterosexismus bringt es nicht!

    (Paula und Hilde)

    Und damit belasse ich es denn auch für dieses Mal.
    In den nächsten Tagen kommen dann noch ausführlichere Beiträge zu einzelnen Workshops von Schatzi und mir.

  • LFT 2012 in Nürnberg 25. - 28. Mai, Sonntag

    Kommen wir nun zum Sonntag.

    Los ging es heute morgen um 10 Uhr mit dem Mittelplenum.

    Kleine Zwischenbemerkung: ich humpel jetzt schon viel besser! Kein Wunder, ich habe ja auch gestern den ganzen Tag geübt! :D

    Im Mittelplenum kann erstes Lob und erste Kritik am aktuellen LFT angebracht werden.
    Schatzi und ich waren sehr überrascht, dass es gar keine Kritik gab.
    Nicht, das wir Kritik für nötig gehalten hätten, aber ich habe bisher noch nie ein LFT ohne Kritik erlebt.

    Selbst die Begrenzung der Teilnehmerinnenzahl wurde durchaus positiv gesehen.
    Alle, inklusive der Orga-Frauen wirkten viel entspannter als sonst.
    Die Orga-Frauen wurden denn auch sehr gelobt für das schöne Treffen.
    Eine Frau merkte nur an, dass trotz der Teilnehmerinnenbegrenzung und der damit verbundenen reduzierten Bewerbung des LFTs die Aussenwirkung nicht leiden darf. Dass zum Beispiel unbedingt Presseerklärungen herausgebracht werden sollten.

    Unsere gestern diskutierten Vorschläge der Entlohnung und den Umgang mit der Männerproblematik in Bezug auf Technik etc. wurden eingebracht und lösten erstaunlicherweise keine Riesendiskussion aus.
    Grundstimmung war, zuerst sollte versucht werden, alle Aufgaben in Lesben/Frauenhände zu geben, aber nicht um jeden Preis.
    Beschlossen wurde das nicht, Beschlüsse faßt nur das Abschlußplenum.
    Wenn ich da schon bei bin: eine der LF-Frauen erwähnte, dass eine Lesbe darum gebeten hatte, dass bei teilnehmerinnenbegrenzten LFTs keine Beschlüsse gefaßt werden. Das löste nicht nur bei den Nürnberger Orga-Frauen einen kleinen Sturm der Entrüstung aus.
    Es kann schließlich nicht sein, dass nur, weil mal nicht ganz so viele Lesben auf dem LFT sein können oder sein wollen (letztes Jahr in Rostock waren es ja trotz Nicht-Beschränkung auch nur 450 Frauen), plötzlich keine Beschlüsse mehr gefasst werden dürfen und es damit LFTs erster und zweiter Klasse gibt.

    Ein weiterer Diskussionspunkt war die gestrichene Förderung der Barrierefreiheit durch das Bundesfamilienministerium.
    Einige Lesben setzten sich hinterher zusammen und haben einen gemeinsamen Protestbrief verfasst, der vom Abschlußplenum abgesegnet und ans Ministerium und an die Antidiskriminierungsstelle in Berlin geschickt werden soll.

    Anschließend war ich im Erzählcafé Und wir nehmen uns das Recht! zur Gründung der Lesbenbewegung in Berlin.

    Monne und Maria erzählten ausführlich von ihren Erlebnissen und Aktionen in der Homosexuellen Aktion West-Berlin und im Lesbenaktionszentrum von 1972 bis 1976.
    Es waren auch relativ viele Junglesben da, die viel nachfragten und sehr wißbegierig waren. Ich selbst wußte zwar schon einiges über die Anfänge in Berlin, doch es von zwei Lesben zu erfahren, die dabei waren, ist ja doch was anderes.
    Besonders diskutiert wurden die Selbstbezeichnungen der Frauen damals.
    Sie sahen sich in der Regel nicht als Lesben sondern als schwule Frauen.
    Dazu muss Lesbe wissen, dass Anfang der 70er Jahre Lesben als psychisch gestört galten und in die Klappse gehörten, während Schwule "nur" kriminell waren.
    Da ist doch zu verstehen, warum der Begriff Lesbe/lesbisch abgelehnt wurde.

    Monne berichtete dann noch, dass sie in Vorbereitung auf die Veranstaltung Schwierigkeiten hatte, die Fotos und Dokumente zeitlich richtig einzuordnen. Denn sie haben damals eher daran gedacht, Aktionen, Proteste und Weltverbesserung zu betreiben, als zu dokumentieren, was sie machten.
    Besonders tragisch ist in diesem Zusammenhang der Tod einer Mitstreiterin vor ein paar Jahren, die sehr viel Material zusammengetragen hatte und dabei war, die Geschichte der Lesben aufzuschreiben. Sie hatte leider nicht testamentarisch verfügt, was mit diesem Teil ihres Nachlasse passieren soll und ihre nicht geoutete Freundin hat dann nach ihrem Tod alles vernichtet! (Es durfte ja niemand etwas von deren Lesbisch-sein wissen).

    Schatzi hat übrigens versprochen, dass sie über die von ihr besuchten Veranstaltungen einen Beitrag schreiben wird, wenn wir wieder zuhause sind. Ihr liegt diese Minitastatur meines Delta-Flyers (mein Netbook) nicht so. Ich werde sie beim Wort nehmen!

    Abschließend war ich im Workshop "Lesbenrechte sind Menschenrechte", der von einer Mitarbeiterin des Nürnberger Menschenrechtsbüros (übrigens dem einzigen in Deutschland) gegeben wurde.
    Wir waren nicht sehr viele Teilnehmerinnen, aber wir haben uns sehr gut über die Menschenrechte an sich und was sie überhaupt bedeuten unterhalten.

    - Die Menschenrechte sind der Freiheitsanspruch einer einzelnen Person gegenüber dem Staat und gelten von der Geburt bis zum Tod. Nicht davor und nicht danach.

    - Nur der Staat kann sie verletzen.

    - Das Recht auf Leben, das Verbot der Folter und das Verbot der Sklaverei sind die einzigen drei der dreißig Artikel, die nicht ausgesetzt werden können.

    - Sie sind einklagbar bis hoch zur UNO

    - Alle und insbesondere die Staaten sind dazu verpflichtet, die Menschenrechte zu schützen und entsprechende ergänzende und vertiefende Gesetze zu erlassen und zu überprüfen.
    Daraus ergibt sich auch

    - die Fürsorgepflicht des Staates.

    Die Menschenrechte stehen über den Kulturen, Religionen und Sitten eines Landes und können nicht dadurch mal eben abgewandelt oder ausser Kraft gesetzt werden.
    Menschenrechte sind demzufolge auch Lesbenrechte, wie halt Lesbenrechte auch Menschenrechte sind und die Staaten dazu verpflichten, auch Lesben Schutz und Anerkennung zu gewähren.

    Ein weites Feld, ein intensives Thema, das der näheren Betrachtung lohnt.
    Zum Abschluss gab es ein kleines Heftchen mit den Artikeln der Menschenrechtserklärung, das ich noch gründlich studieren werde.

    Nu reicht es aber für heute.
    Wie gesagt, das Abendprogramm haben wir ausgelassen.
    Schatzi und ich waren noch in einem mexikanischen Restaurant in der Stadt, in dem sie mal wieder nicht wußten, dass in die saure Sahne zum Essen keine 28 Knoblauchzehn gehören sondern gar keine!
    Da mußten wir dann noch mal schnell ein Eis im Eiscafé Sirena essen.
    Das schmeckte, wie es sich gehört, völlig knoblauchfrei.

    Morgen gibt es dann noch den Bericht vom Abschlußplenum und in den nächsten Tagen weitere Beiträge von Schatzi und mir.
    Bis dann.

  • LFT 2012 in Nürnberg 25. - 28. Mai, Samstag Teil 2

    Ich muss ja noch vom samstäglichen Abendprogramm berichten.

    Das stand unter dem Motto 30 Jahre Lesbenring.
    Nach der Begrüßung durch die Vorstandsfrau Elke Heineke und eine neue Mitfrau namens Heike (die beiden führten auch durchs Programm), gab es ein Grußwort des Deutschen Frauenrates zum Jubiläum durch Vorstandsfrau Mechthild von Luxburg.
    Der Lesbenring ist seit 1992 im Deutschen Frauenrat.
    Ich habe mir einen Satz von ihr notiert:

    Artikel 1 des Grundgesetzes lautet: die Würde des Menschen ist unantastbar und nicht: die Würde des Mannes ist unantastbar oder die Würde der Heterosexuellen ist unantastbar.

    Das hat mir richtig gut gefallen.

    Weiter ging's mit Paula und Hilde aus Innsbruck, die Schlager mit lesbischen Texten gesungen haben, z.B. Lesben lügen nicht (Tränen lügen nicht), Wann kommst Du?, Die süßesten Lesben (Die süßesten Früchte) und natürlich das allseits bekannte und beliebte Immer wieder gibt es einen LFT (Immer wieder geht die Sonne auf)
    Einfach wunderbar dieses Duo.
    Sehr spannend ist es übrigens immer, die Gebärdendolmetscherin bei solchen Liedern/Auftritten zu beobachten. Wunderbar, wie die mitgehen und ausdrucksstark den Inhalt rüberbringen. Eine wahre Bereicherung!

    Danach gab es weitere Glückwünsche und dann trat die Komödiatin/Zauberin Agnes Altensee auf. Zu der schreibe ich jetzt mal nix.

    Weitere persönliche Glückwünsche folgten:
    LAG NRW
    LF e.V.
    Safia
    das Orga-Team Nürnberg
    Dachverband Lesben und Alter

    Der Höhepunkt des Abends war der Auftritt des kroatischen Lesbenchores Le Zbor.
    Le Zbor ist der erste lesbisch/feministisch gemischte Chor Kroatiens.

    Le Zbor´s repertoire consists of covers of Croatian and international pop rock hits (by Dolly Parton, Rammstein, Kraftwerk, Depeche Mode, Velvet Underground, etc), revolutionary songs, and traditional songs in new arrangements.

    von der Homepage.

    Ja, ihr habt richtig gelesen. Ein A Capella-Chor, der Lieder von Kraftwerk, einer der elektroniklastigsten Gruppen überhaupt, singt.
    Und sie singen ganz einfach großartig. Die neun Frauen, die auf der Bühne standen klangen wie ein mindestens 30köpfiger Chor. Wir waren schwer beeindruckt und haben natürlich hinterher sofort sämtliche Fanartikel (eine CD, eine Stofftasche, Postkarten) gekauft.

    Das war das Ende der Jubiläumsfeier und wir sind zurück zum Hotel gefahren. Die Disco haben wir uns geschenkt.

    Im nächsten Beitrag geht es dann um den Sonntag.

  • LFT 2012 in Nürnberg 25. - 28. Mai, Samstag

    Puh! Volles Programm heute!

    Nach dem Frühstück ging es endlich zum LFT.
    Da ich ja im Augenblick nicht die Schnellste bin, kamen wir gegen viertel nach zehn an. Da hatte das Eröffnungsplenum bereits angefangen.
    War jetzt aber nicht so schlimm, denn dort werden in der Regel nur organisatorische Dinge erläutert.

    Spannend wurde es dann mittags bei der Podiumsdiskussion zum LFT-Motto "Lesbenrechte sind Menschenrechte sind Lesbenrechte".
    Ein sehr passendes Motto für die Stadt der Menschenrechte Nürnberg.
    Auf dem Podium saßen Lesben, die aus ihren jeweiligen Heimat- oder Wahlheimatländern über die Situation der Lesben berichtet haben: Russland, Polen, Ungarn und Kroatien.
    Ich will hier jetzt gar nicht so ausführlich drüber schreiben. Das würde diesen Beitrag extrem lang machen. Nur so viel:
    die Russin sprach davon, dass sie nach dem Spruch von Gandhi an die Situation herangehen: erst ignorieren sie dich, dann lachen sie dich aus, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.
    Sie seien jetzt in der Phase, dass sie bekämpft werden, da ist dann hoffenlich der Sieg nicht mehr weit.

    Auf die Frage, wie wir die Lesben in den jeweiligen Ländern außer durch Unterschriften auf Petitionen unterstützen können, erhielten wir die Antwort: kommt mit den Lesben in den Ländern ins Gespräch, ladet sie nach Deutschland zum LFT, zu CSDs ein, damit sie unsere Kraft tanken können, mischt euch ein, macht Mißstände öffentlich, sorgt für Druck durch PolitikerInnen.

    Mal schauen, vielleicht schreibe ich in den nächsten Tagen mal einen ausführlicheren Beitrag.

    Schatzi war bei "Der Tod gehört zum Leben - doch wenn er da ist...", referiert von einer Frau, deren Liebste bei einem Verkehrsunfall starb.
    Es waren sehr unterschiedliche Frauen mit sehr unterschiedlichen Einstellungen zum Tod und unterschiedlichen Ansprüchen an den Workshop da.
    Drei hatten mehr Angst vor dem Tod weiterer Angehöriger als vor ihrem eigenen. Eine erhoffte sich Hilfe, wie sie Menschen findet, die ihr gut tun.

    Danach haben wir erst mal 3 im Weggla gegessen. Das sind 3 Nürnberger Würstchen im Brötchen. Lecker.
    Es gab natürlich auch vegetarisch. Aber die Würstchen waren innerhalb kürzester Zeit ausverkauft.

    Schatzi ist dann zur Kundgebung an der Straße der Menschenrechte gefahren, während ich mich mit meinem Hinkefuß zu P. an den Stand der Sappho-Stiftung gesetzt habe.
    Schatzi erzählte, dass die Kundgebung sehr beeindruckend war. Mit guten Reden und Liedbeiträgen des kroatischen Lesbenchors Lezbor.
    Und Luftballons wurden losgeschickt.

    Am späten Nachmittag war ich dann in der Veranstaltung "Wann rechnet sich ein LFT?" veranstaltet von zwei Ex-Orgafrauen aus Rostock (2001 und 2011).
    Sie haben ausführlich die Zahlen vom letztjährigen LFT vorgestellt.
    Dann haben wir uns darüber unterhalten, wie zukünftige LFTs finanziert werden könnten, wenn z.B. die Fördergelder vom Staat wegfallen, die zurzeit einen großen Anteil an der Finanzierung eines LFTs ausmachen.
    Ist es noch in Ordnung, von Orgafrauen zu erwarten, dass sie alles ehrenamtlich stemmen, dass Helferinnen nur mit freiem Eintritt entgolten werden?
    Sollten Frauen sich nur noch per Voranmeldung anmelden können, damit mehr Planungssicherheit entsteht, und nicht mehr spontan entscheiden können, ob sie zum LFT kommen?
    Waren nicht LFTs immer schon teilnehmerinnenbegrenzt (z.B. bei den Diskos, wenn keine mehr aus Brandschutzgründen in den Saal gelassen werden konnte), nur dass dies nicht im Vorfeld kommuniziert wurde?

    Wir haben natürlich nicht die Lösung all dieser Fragen gefunden. Aber wir waren uns einig, dass diese und andere Fragen diskutiert werden sollten.

    Leider muss ich für heute Schluß machen. Mein Fuß muckt gerade auf und Schatzi schimpft schon.
    Morgen abend schenken wir uns das Abendprogramm. Da schreibe ich dann mehr.

  • LFT 2012 in Nürnberg 25. - 28. Mai, Freitag

    Ah, LFT!

    Das ist ja alles so aufregend! :)

    Nachdem ich heute vormittag bei den letzten Einkäufen in Frankfurt noch mal eben schnell mit dem Fuß umgeknickt bin, ging es am Nachmittag (für mich) humpelnd zum Bahnhof.
    Schatzi musste morgens noch arbeiten, deshalb haben wir uns am Bahnhof getroffen, wo auch P. und K., die mit zum LFT wollten, sich zu uns gesellten.
    Und, was soll ich Euch sagen, der Zug hatte 35 Minuten Verspätung. Was mein Fuß gar nicht so lustig fand. Also der Rest von uns natürlich auch nicht.

    Dann endlich ging die Fahrt im sehr vollem ICE bei schönstem Wetter los. Zum Glück ist es nicht mehr so schwül, wie zu Beginn der Woche, als Schatzi und ich uns noch auf der Goldenen Hochzeit meiner Eltern einen abgeschwitzt haben.

    In Nürnberg angekommen, haben wir uns ein Taxi zum B&B-Hotel gegönnt; und obwohl es nur ca. 5 Minuten Fahrt waren, hat der Taxifahrer uns anstandlos gefahren. Das hab ich auch schon anders erlebt!
    Die Zimmer sind nicht sehr groß, aber hübsch eingerichtet.
    Ich musste mich erst mal eine halbe Stunde ausruhen und meinen Fuß wieder eine Runde kühlen.

    Ursprünglich wollten wir heute abend bereits zum Südpunkt, zum LFT-Gelände, fahren, haben uns dann aber, auch wegen mir, dagegen entschieden.
    Stattdessen sind wir in die Innenstadt gelaufen, um was zu essen.
    P. wollte gern italienisches Essen, deshalb hat Schatzi einfach zwei Polizisten, die vorm Germanischen Museum standen, angesprochen.
    Die haben uns dann auch einen Tipp gegeben.
    (Im Germanischen Museum muss irgendeine wichtige Veranstaltung gewesen sein, da standen jede Menge dicke Autos mit Münchner und Berliner Kennzeichen vor der Tür.)

    Schließlich sind wir beim Italiener Cucina Italiana gelandet. Das war zwar nicht das Restaurant, das uns der Polizist empfohlen hatte, aber das Essen - wir hatten alle 4 Pizza - war sehr lecker.

    K. wollte danach unbedingt noch zur Disko im Südpunkt. Wir anderen 3 hatten dazu jetzt nicht die rechte Lust, deshalb zog sie alleine los.
    Ich bin mal gespannt, was sie morgen berichtet!

    Schatzi, P. und ich sind dann noch ein wenig durch die Stadt geschlendert bzw. gehumpelt und waren zum Abschluß in einer Eisdiele, wie sich das für uns gehört. :)

    So, jetzt müssen wir aber schnell ins Bett. Es ist schon spät und morgen geht es ja dann endlich richtig los und da wollen wir ja wach sein, gell?

  • Vorankündigung LFT 2012 in Nürnberg

    Nachdem wir im letzten Jahr ausgesetzt haben, ist es endlich wieder so weit:

    Morgen fahren Schatzi und ich zum Lesbenfrühlingstreffen nach Nürnberg.
    Der wird in diesem Jahr wohl ein wenig anders ausfallen, allein schon wegen der Begrenzung der Teilnehmerinnenzahl.
    Wir sind schon sehr gespannt, wie es sein wird!
    Auf dem LFT feiert der Lesbenring übrigens seinen 30ten Geburtstag mit einer Veranstaltung am Samstagabend.

    Ab morgen abend dann mehr hier.

    Links:

    LFT Nürnberg
    Lesbenring

  • Buchvorstellung: Fußballtöchter - Elke Weigel

    Genauso wie Der Duft von Seide habe ich dieses Buch hier schon mal kurz erwähnt.

    Klappentext:

    Susi will nur eins im Leben: Fußball spielen. Doch 1970 herrscht ein offizielles Verbot für „Damenfußball“ auf Vereinsplätzen. Auch im privaten Umfeld bekommt sie Steine in den Weg gelegt. Frauen und Fußball – das ist in den Augen ihres Vaters ein Unding.

    Zum Glück hat sie fußballbegeisterte Freundinnen, die bereit sind, zusammenzuhalten und alles zu tun, um kicken zu können. Doch in dem schwäbischen Dorf ist die aufkeimende Frauenbewegung noch lange nicht angekommen, und zusammen mit Gerda, Hannelore und den anderen Mitspielerinnen muss Susi lernen, sich auch außerhalb des Fußballplatzes durchzusetzen. Und sie verliert ihr Herz nicht nur an Fußball …

    Quelle: Querverlag

    Oh! Fußball! Damenfußball!
    Ja, ich habe als Jugendliche auch Fußball gespielt. In einem Dorf, aber in Norddeutschland und es war ein paar Jahre später. Da war Damenfußball, wie das früher wirklich hieß, bereits erlaubt. Aber genützt hat das nicht viel.
    Es kamen bei den Spielen dennoch die üblichen dummen Sprüche und natürlich auch die Forderung nach dem Trikottausch.
    Das hat wirklich sehr genervt.

    Bei uns im Dorf haben wir es leider nicht geschafft, ein Team für den Ligabetrieb, den es Mitte der Achtziger Jahre tatsächlich auch in unserem Landkreis bereits gab, zusammenzustellen. Dafür haben wir aber vier Jahre hintereinander beim Ortsturnier, bei dem der Ort in vier Viertel aufgeteilt wurde und jedes Viertel gegen jedes gespielt hat, immer ausreichend Spielerinnen fürs Kleinfeld gehabt. Nachdem aber das Viertel, für das ich gespielt habe, viermal hintereinander das Turnier gewonnen hatte, hatten die anderen Frauen plötzlich keine Lust mehr. Komisch. ;)
    Wenn ich wirklich hätte spielen wollen, hätte ich ins Nachbardorf fahren müssen. Das dortige Team war auch relativ erfolgreich in der Liga. Aber da meine Eltern überhaupt nichts davon hielten, dass Mädchen Fußball spielen und erst recht nicht im Tor stehen (meine Lieblingsposition), habe ich es dann gelassen. So dringend wollte ich auch wieder nicht spielen.

    Das ist bestimmt mit ein Grund, warum mir das Buch von Elke Weigel so gut gefallen hat. Ich konnte mich richtig gut in die Akteurinnen des Buches hineinversetzen.
    Es geht in dieser Geschichte nur am Rande um das lesbische Coming Out der Hauptfigur Susi. Im Mittelpunkt steht der Kampf der Frauen, endlich Fußball spielen zu dürfen und zwar nicht nur auf einer Wiese sondern auf einem richtigen Fußballplatz.

    Wenn lesbe sich also für die Anfänge des Frauenfußballs in den 70er Jahren und das Leben auf dem Dorf zu der Zeit interessiert, kann ich dieses Buch nur dringend empfehlen. Aber alle Anderen sollten es natürlich auch lesen. :)

  • Buchvorstellung: Der Duft von Seide - Stefanie Zesewitz

    Dies ist eines der Bücher, die ich hier bereits kurz erwähnt habe.

    Klappentext:

    Als Camiel le Blanc 1848 erstmals nach London kommt, gerät sie unweigerlich in das Getriebe gesellschaftlicher Konventionen. In den Kolonien aufgewachsen, weiß die junge Malerin nicht, was in konservativen Kreisen von einer Frau erwartet wird.
    Als sie der verheirateten Julia Norton begegnet, wird die Freidenkerin Camiel vor die Wahl gestellt: Entweder sie spielt die Charade von Sitte und Anstand mit oder sie wird Julia unwiderruflich verlieren.
    Durch geschicktes Taktieren schafft Camiel es, Julias Mann Roderick davon zu überzeugen, dass sie die Richtige ist, um Julia auf einen Kuraufenthalt nach Bath zu begleiten. Hier findet nun auch ihre leidenschaftliche Beziehung ihre Erfüllung. Eine Entscheidung hängt in der Luft.
    Das viktorianische England dient als bilderreiche Kulisse für ein Verhältnis unter Frauen, das seiner Zeit weit voraus ist. Stefanie Zesewitz webt historische Figuren wie die Schwestern Brontë ein, um eine Epoche aufleben zu lassen, die für ihr strenges und prüdes Frauenbild bekannt ist.

    Quelle: Querverlag

    Wie ich in dem anderen Artikel angedeutet habe, konnte die Tänzerin dieses Buch nicht aus der Hand legen.
    Und auch Konny ist begeistert von diesem Buch.

    Nach der Lesung von Stefanie Zesewitz in Leipzig war ich ja auch ganz gespannt, wie es weitergeht mit Camiel und Julia.

    Aber ehrlich gesagt, ich war beim Lesen nicht mehr ganz so begeistert.
    Das Buch ist gut geschrieben, keine Frage. Aber die Geschichte ist trotz aller Dramatik doch etwas langweilig und vorhersehbar.

    Das für mich Interssante an dem Buch war - und deswegen habe ich es auch zu Ende gelesen - die Schilderung der extrem strengen Regeln für Frauen im London jener Zeit. Dass eine Frau nicht allein auf die Straße gehen durfte, und sei es nur rüber auf die andere Straßenseite; dass streng darauf geachtet wurde, die Trauerzeit bei einem Todesfall einzuhalten und auch ja die richtige Kleidung zu tragen; etc.
    Diese Schilderungen scheinen auf alle Fälle eine Stärke der Autorin zu sein.

    Das Buch ist für mich leider nur guter Durchschnitt. Nicht sehr fesselnd, auch bei der Romantik hapert es ein wenig. Auf das Einflechten der Brontë-Schwestern und der ersten in den USA examinierten Ärztin (die hier einen anderen Namen hat) hätte die Autorin gut verzichten können. Sie haben wirklich gar nichts Wesentliches zur Geschichte beigetragen. Leider sind auch einige Rechtschreibfehler im Buch, die mich beim Lesen immer wieder aus der Handlung gerissen haben.
    Was mich wirklich gestört hat, waren die ausführlichen Heterosex-Szenen. Das ist etwas, was ich in einem Lesbenbuch ja so was von überhaupt gar nicht brauche!

    Aber die Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Deshalb: selber lesen! :D

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